Es hat etwas zutiefst Meditatives, mit nichts als einem Sammelbeutel und einem Blick für die verborgenen Schätze der Natur durch den Wald zu streifen. Jede Jahreszeit bringt ihre eigenen Gaben hervor – perfekt getrocknete Samenkapseln, makellos angeordnete Tannenzapfen, zarte Farne, die sich natürlich an umgestürzte Baumstämme schmiegen. Hier beginnt meine Reise als Künstlerin botanischer Präparate: in der stillen Umarmung des Waldes, wo jeder Schritt ein weiteres Wunder offenbart, das darauf wartet, bewahrt zu werden.

Die Kunst des Samensammelns
Samen sammeln ist weit mehr als nur das aufzusammeln, was einem vor die Füße fällt. Es ist ein inniger Dialog mit dem Wald, eine Praxis, die Geduld, Beobachtungsgabe und tiefen Respekt vor der Natur erfordert. Ich habe gelernt, die Jahreszeiten zu lesen – zu wissen, wann die Eukalyptusschoten aufplatzen, wann die Eicheln von ihren Kappen fallen und wann die schönsten Samenkapseln ihren optimalen Reifegrad erreichen.
Meine Sammeltouren beginnen oft frühmorgens, wenn noch Tau an den Spinnweben hängt und der Waldboden weich unter meinen Füßen ist. Ich trage einen einfachen Stoffbeutel, kleine Umschläge für empfindliche Exemplare und, was am wichtigsten ist, eine tiefe Ehrfurcht vor dem, was ich gleich sammeln werde. Jeder Samen, jede Schote, jedes Pflanzenfragment erzählt eine Geschichte – vom Wachstum, vom Überleben, von den komplexen Kreisläufen, die unsere Natur bestimmen.
Vom Waldboden zum gerahmten Kunstwerk
Die Verwandlung von rohem Pflanzenmaterial in fertige Kunstwerke ist ein sorgfältiger Prozess, der Wochen oder sogar Monate dauern kann. Nach meiner Rückkehr aus dem Wald muss jedes Stück sorgfältig gereinigt, sortiert und für die Konservierung vorbereitet werden. Manche Samen müssen sanft gepresst, andere unter bestimmten Bedingungen an der Luft getrocknet werden, um Form und Farbe zu erhalten. Es ist ein heikles Gleichgewicht zwischen Eingriff und dem Zulassen, dass die Natur den Prozess leitet.
Der schönste Moment kommt, wenn ich beginne, diese gesammelten Schätze in Schattenbox-Kompositionen zu arrangieren. Jedes Stück wird bewusst platziert – unter Berücksichtigung von Farbharmonie, Texturkontrast und der Naturgeschichte, die ich erzählen möchte. Farne werden mit Samenkapseln kombiniert, Tannenzapfen schmiegen sich an zarte Blüten, und jedes Element wird mit seinem botanischen Namen beschriftet. So entsteht ein Kunstwerk und zugleich ein lehrreiches Nachschlagewerk.

Die vergängliche Schönheit der Natur bewahren
Was mich an diesem Handwerk am meisten fasziniert, ist die Möglichkeit, Momente natürlicher Schönheit einzufangen, die sonst verblassen und verschwinden würden. Eine Samenkapsel, die im Herbst abfällt, ein Farnwedel, der sich im Frühling entfaltet – das sind flüchtige Ausdrucksformen der Kreativität der Natur. Indem ich sie als botanische Schattenbox-Kunstwerke konserviere, kann ich diese Momente mit anderen teilen und die Ruhe und das Wunder des Waldes in Häuser und Räume fernab vom Wald bringen.
Jedes fertige Werk wird zum Fenster in einen bestimmten Augenblick – einen bestimmten Wald, eine bestimmte Jahreszeit, eine einzigartige Sammlung von Pflanzenexemplaren, die sich nie exakt reproduzieren lässt. Diese Einzigartigkeit macht die Kunst mit botanischen Präparaten so besonders. Kein Werk gleicht dem anderen, so wie kein Waldspaziergang dieselben Schätze offenbart.
Eine Einladung zum Entschleunigen
In unserer schnelllebigen Welt bietet das Sammeln von Saatgut und das Anfertigen von Pflanzenproben etwas immer Selteneres: die Einladung, innezuhalten, zu beobachten und sich mit den natürlichen Rhythmen jenseits unserer digitalen Bildschirme und vollen Terminkalender zu verbinden. Es erinnert uns daran, dass Schönheit oft im Kleinsten liegt – im spiralförmigen Muster eines Tannenzapfens, der feinen Aderung eines getrockneten Blattes, der perfekten Geometrie einer Samenkapsel.
Ob Sie nun ein Naturliebhaber, ein Kunstsammler oder einfach jemand sind, der die stille Schönheit der Natur schätzt – ich hoffe, diese botanischen Exemplare inspirieren Sie dazu, Ihre Umgebung genauer zu betrachten. Vielleicht entdecken Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang eine besonders schöne Samenkapsel oder einen Farn, der das Licht auf ganz besondere Weise einfängt. Und in diesem Moment der Wahrnehmung werden Sie dasselbe Staunen erleben, das mich immer wieder in den Wald zieht.

